Vertikales Wohnen als neuer Trend auf dem Wohnungsmarkt?

Seit einiger Zeit gibt es auf dem Wohnungsmarkt einen neuen Trend – vertikales Wohnen. Doch ist das die Lösung des Wohnungsmangels? Auf den ersten Blick scheint das die Lösung zu sein. Doch bei Umfragen zum liebsten Wohnort der Deutschen liegen die Hochhäuser regelmäßig auf dem letzten Platz.

Hochhäuser galten als soziale Brennpunkte

Diese Umfrageergebnisse verwundern nicht. Den in den 1960er- und 70er-Jahren galten die Hochhaustürme als soziale Brennpunkte der Städte. Der Anblick solcher Wohntürme galt in der Bevölkerung als das Schreckensbild des standardisierten Wohnens. Schließlich waren diese durch eine endlose Aneinanderreihung des immergleichen Grundrisses geprägt. Der Vorteil lag ganz klar im Preis: Denn hier konnte man preiswert wohnen. Wer es sich jedoch leisten konnte, der packte seine Sachen und zog weg. Lange Zeit galten solche Hochhäuser als gescheitertes Wohnprojekt. So nahm dann auch die Zahl der Neubauten in den Zentren deutscher Metropolen stetig ab und tendierte nahezu gegen null.

Hochhäuser erleben eine Renaissance

Doch die Zeiten haben sich geändert. So erleben die Wohntürme seit einiger Zeit eine Belebung. Laut Studien sollen in deutschen Großstädten bis zum Jahr 2020 knapp 12.000 neue Wohnungen in rund 80 Hochhäusern der Bevölkerung zur Verfügung stehen. Allein in der Mainmetropole Frankfurt sind mehr als 3000 Wohnungen in Hochhäusern in Planung. Damit liegt die Stadt am Main auf Platz eins, gefolgt von Berlin mit knapp 3000 Hochhauswohnungen. Mit größeren Abstand folgt dann Köln mit knapp 1500 Hochhauswohnungen und Düsseldorf mit mehr als 1000 Wohnungen in Hochhaustürmen.

Hochhäuser als Lösung für den Wohnungsmangel

Vertikales Wohnen wird allgemein als die Lösung in Bezug auf den Wohnungsmangel angesehen. Die Gründe hierfür scheinen auf der Hand zu liegen: Solche Häuser bieten viel Raum auf relativ wenig Fläche. Je höher das Haus, desto mehr Menschen können darin wohnen. Die ersten modernen Hochhaustürme wurden damals noch fast ausschließlich als Bürogebäude genutzt. Doch es dauerte nicht lange, dass die Hochhäuser auch vermehrt als Wohntürme im Stadtbild wahrgenommen wurden. Diese wurden allerdings überwiegend von gut situierten Bürgern bewohnt. Doch allmählich setzten sich die Massenunterkünfte als Wohnraum auch für den Mittelstand und die Arbeiterklasse durch. Hierfür wurden aufwendige Wohnungsbauprojekte realisiert. Dieses Wohnkonzept war bald in den Städten in den USA, Europa und der ehemaligen UdSSR zu sehen. In den 1970ern galten dann allerdings die Wohntürme als Auslöser für den Stadtverfall.

Asien hat Hochhäuser für jedermann

Asien blieb von dieser Entwicklung verschont. So betreiben Großstädte wie etwa Hongkong und Singapur sowie Tokio erfolgreiche Projekte im Bereich vertikales Wohnen – und das erfolgreich für alle Schichten der Gesellschaft. So leben beispielsweise allein in Singapur 80 Prozent der Menschen größtenteils in sozialen Wohnungsprojekten. Auch in China boomen die Hochhäuser für jedermann. Die Stadt New York versucht dagegen, mittels verschiedenen Wohnprojekten für möglichst viele Bewohner ein Konsens zu finden. Der Wunsch nach einem urbanen Lebensgefühl nimmt bei den Menschen stetig zu. Auch und gerade bei der wohlhabenden Bevölkerung. Um auch bezahlbaren Wohnraum für Menschen mit niedrigem Einkommen zur Verfügung stellen zu können, hat New York mittlerweile veraltete Regulierungen abgeschafft. Doch die Zukunft des Wohnens geht in die Richtung, dass die Menschen in Städten leben möchten. Und diese Richtung kennt nur einen Weg – den nach oben.

Enorme Preise

Der Trend zum Hochhaus hat allerdings einen Haken: Die Wohnungen hoch über der Stadt sind extrem teuer. Selbst für Besserverdiener sind diese kaum bezahlbar. Der Grund hierfür liegt an den modernen Hochhäusern, die mit den Wohntürmen der Vergangenheit nichts mehr gemein haben. Auch die Lage der modernen Wohntürme ist heute anders als noch früher: Lagen diese in der Vergangenheit noch am Stadtrand, so befinden sich diese nun oftmals in bester Innenstadtlage. Die modernen Wohnungen in den Hochhäusern sind heute durch eine sehr hochwertige Ausstattung geprägt. Das treibt die Preise nach oben. Aber auch die Konstruktion macht die neuen Hochhäuser so teuer. Mit der Höhe steigen die Ausgaben. Das schlägt sich etwa in der Statik, der Energieversorgung und auch der Sicherheit nieder. Die Brandschutzvorschriften für Hochhäuser sind ebenfalls mit Mehraufwendungen verbunden. Durchschnittlich beträgt das Investitionsvolumen für Hochhäuser rund 4600 Euro pro Quadratmeter. Aufgrund dieser hohen Investitionen wird sich die Wohnungsknappheit allein mit dem Bau von Hochhäusern nicht lösen lassen. Das kann wohl nur die Politik. So könnten beispielsweise Bund und Kommunen Grundstücke als Bauland für Hochhäuser freigeben. Allerdings mit der Auflage diese später zu günstigen Mieten anzubieten. Es gibt mittlerweile solche Wohnhochhäuser. Hier findet eine Durchmischung mit günstigeren Wohnungen statt. Doch um bezahlbare Mieten anbieten zu können, müssen eben doch auch einige Wohneinheiten dann teuer vermietet werden.