Auswirkungen der Urbanisierung auf die Immobilienbranche

So wirkt sich die Urbanisierung auf die Immobilienbranche aus

Es ist ein Trend, der sich seit Jahren fortsetzt: Die Verstädterung nimmt zu, die Metropolregionen wachsen, die Landbevölkerung nimmt ab. Immer mehr deutsche Städte melden einen neuen Rekordstand bei der Einwohnerzahl, in Deutschland leben mittlerweile schon 75 Prozent der Menschen in Städten; in anderen Ländern wie China oder Brasilien sind es sogar noch mehr.

Die Gründe dafür sind vielfältig. So stellen Städte für viele, besonders junge, Menschen ein attraktiveres Lebensumfeld dar als Dörfer oder ländliche Gebiete. Der bessere Arbeitsmarkt, kulturelle Angebote, Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten, Gesundheitseinrichtungen oder eine breit gefächerte Gastroszene tragen ihren jeweiligen Teil dazu bei. Da immer mehr (junge) Menschen vom Land in die Stadt ziehen, verkümmert die Infrastruktur in ländlichen Gebieten immer mehr, was den Trend zur Urbanisierung und das Wachstum der Städte wiederum verstärkt.

Auch der starke Zustrom von Migranten und neue Geburtenrekorde spielen hier eine Rolle. Immer mehr Menschen studieren, während die herkömmliche Lehre ausgedient zu haben scheint – gerade Universitätsstädte legen daher an Einwohnerzahlen zu. Und nicht zuletzt entstehen neue, attraktive, Arbeitsplätze in unserer digitalen Informationsgesellschaft eher im urbanen Raum, wo Technologie und Vernetzung stärker ausgeprägt sind.

In die Infrastruktur investieren

Trotzdem wurde es in den vergangenen Jahren versäumt, in den Städten die infrastrukturellen Investitionen an die wachsende Bevölkerung anzupassen. Das zeigt sich schon jetzt vor allem an einer steigenden Wohnungsknappheit, doch auch Gesundheitsversorgung, Betreuungsangebote oder Schulen sind noch längst nicht auf die neue Entwicklung eingestellt.

Gerade in beliebten Städten in Deutschland wie den „großen Sieben“ – Berlin, München, Stuttgart, Frankfurt, Köln, Hamburg und Düsseldorf – fehlt also bezahlbarer Wohnraum. Jährlich müssten bundesweit rund 500.000 neue Wohnungen geschaffen werden, in der Realität sind es jedoch gerade mal 250.000 bis 300.000, so die Info des Immobilienverbandes Deutschland.

Hier ist die Immobilienbranche gefragt. Doch selbst wenn diese der Nachfrage gerne nachkommen würde, steht sie nicht selten vor Herausforderungen. Freie Flächen im Stadtgebiet sind knapp, nicht selten wehrt sich zudem die Bevölkerung gegen den Bau neuer Häuser auf bisherigen Grünflächen. Außerdem ist in vielen Gemeinden und Kommunen das Planungsrecht sehr restriktiv, die Möglichkeiten für Neubebauungen entsprechend eingeschränkt und kompliziert.

Moderne Lösungen im Stadtraum

Regulatorische Vorgaben machen den Bau der dringend benötigten und vor allem bezahlbaren Wohnungen daher schwierig, obwohl die Urbanisierung deren Entstehung geradezu vorschreibt. Die Lösung sieht die Immobilienbranche in einer stärkeren Durchmischung der Nutzungsformen, um strikte Planungsvorgaben auf der einen Seite durch mehr Freiraum in anderen Kontexten auszugleichen.

Im Ergebnis existieren Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Einkaufen nebeneinander und erfüllen dabei alle Bedingungen eines guten urbanen Miteinanders, das den eigenen Lebensstil unterstreicht. Diese Entwicklung entspricht dem ohnehin voranschreitenden Trend unserer modernen Gesellschaft, in dem Leben und Arbeiten längst nicht mehr voneinander getrennt werden. Effizienz, Multifunktionalität und Produktivität gelten als Voraussetzungen städtischen Lebens.

Urbanisierungsforscher sprechen hier von der Zusammenführung elementarer Lebensbereiche – die die Immobilienbranche realisieren muss. So attraktiv das Leben in der Stadt sein mag, die Bedingungen müssen hier stimmen. Reine Wohnviertel ohne Freizeitangebote, Verkehrsanbindung oder Möglichkeiten den Bedarf des täglichen Lebens zu decken, sind nicht mehr gefragt. Die (veränderten) Kundenbedürfnisse und -ansprüche stehen im Mittelpunkt der Planungen der Branche. Damit einher geht auch die brancheninterne Konkurrenz um die Premiumlagen im städtischen Raum, in denen sich genau solche Projekte umsetzen lassen.